Brücken bauen

21.05.2026

Als Moderatorin für Sensibilisierungsworkshops Hörbehinderung gehe ich immer offen in den Workshops. Die Teilnehmergruppen sind vielfältig, mal sind es Busfahrer, mal sind es Mitarbeiter einer Verwaltung oder eines Museums.
Für mich ist gerade diese Vielfalt das Tolle an der Arbeit. Kein Workshop ist wie der andere, auch wenn das Grundkonzept gleich ist.
Was fast immer da ist, sind das Interesse, die Neugier und die Motivation der Teilnehmer.

Führend in meinen Workshops und Kurse sind Fragen, Bemerkungen oder Erfahrungen und Wissen der Teilnehmer.

Die am häufigsten gestellte Frage in meinem Workshop ist "Wie kann ich einer Person mit Hörbehinderung helfen, ohne sie zu kränken, zu bevormunden und ohne etwas Falsches zu sagen oder zu fragen?"
Meiner Erfahrung nach sind Menschen durchaus bereit, die Behinderung einer anderen Person zu berücksichtigen, wissen aber oft nicht, wie. Eine unsichtbare Behinderung wie eine Hörbehinderung macht es ihnen in dieser Hinsicht nicht gerade leicht.
Eine Hörbehinderung ist nicht nur unsichtbar, sondern geht noch regelmässig mit Tabus, Scham und negativen Assoziationen einher.
Betroffenen fühlen sich oft einsam und isoliert und ziehen sich zurück.

Um eine Brücke zu bauen, müssen sich Menschen mit und ohne Hörbehinderung aufeinander zu bewegen.
Dies kann nur durch mehr Aufmerksamkeit und Aufklärung über Hörbehinderung geschehen, aber auch durch mehr Offenheit und klare Angaben der Betroffenen selbst, was sie für eine gute Kommunikation brauchen. An beiden Seiten mangelt es leider noch zu oft.
Die Offenheit, die ich heute besitze, ist das Ergebnis eines langen Lernprozesses. Dieser ist noch nicht abgeschlossen und wird wahrscheinlich nie enden.

Ist der Seufzer "Nun habe ich es zum x-ten Mal wiederholt und er/sie hat es immer noch nicht verstanden" nicht ebenso wichtig wie der Seufzer "Nach meiner x-ten Bitte, dies nicht zu tun, reden sie noch immer ständig durcheinander und ich verstehe keiner"?

Wäre es nicht wesentlich besser, wenn wir lernen würden, uns gegenseitig besser zu verstehen, wenn wir uns eine Brücke bauen würden?
Genau das ist der Zweck der Weiterbildungsangebote bei Arbeit und Kommunikation .

Gut hörende Teilnehmer erfahren, wie schwierig es ist, zu verstehen, wenn sie weniger hören, Teilnehmer mit einer Hörbehinderung erfahren, wie sie selbst mit mehr Offenheit, mehr Klarheit über ihre eigenen Bedürfnisse die sie auch deutlich äussern, indem sie öfter auf Dolmetscher oder Hilfsmittel am Arbeitsplatz zurückgreifen, die Kommunikation verbessern können.

Share