Brücken bauen

Als
Moderatorin für Sensibilisierungsworkshops Hörbehinderung gehe ich
immer offen in den Workshops. Die Teilnehmergruppen sind vielfältig,
mal sind es Busfahrer, mal sind es Mitarbeiter einer Verwaltung oder
eines Museums.
Für mich ist gerade diese Vielfalt das Tolle an
der Arbeit. Kein Workshop ist wie der andere, auch wenn das
Grundkonzept gleich ist.
Was fast immer da ist, sind das
Interesse, die Neugier und die Motivation der Teilnehmer.
Führend in meinen Workshops und Kurse sind Fragen, Bemerkungen oder Erfahrungen und Wissen der Teilnehmer.
Die
am häufigsten gestellte Frage in meinem Workshop ist "Wie kann ich
einer Person mit Hörbehinderung helfen, ohne sie zu kränken, zu
bevormunden und ohne etwas Falsches zu sagen oder zu fragen?"
Meiner
Erfahrung nach sind Menschen durchaus bereit, die Behinderung
einer anderen Person zu berücksichtigen, wissen aber oft nicht, wie.
Eine unsichtbare Behinderung wie eine Hörbehinderung macht es ihnen
in dieser Hinsicht nicht gerade leicht.
Eine Hörbehinderung ist
nicht nur unsichtbar, sondern geht noch regelmässig mit Tabus, Scham
und negativen Assoziationen einher.
Betroffenen fühlen sich oft
einsam und isoliert und ziehen sich zurück.
Um
eine Brücke zu bauen, müssen sich Menschen mit und ohne
Hörbehinderung aufeinander zu bewegen.
Dies kann nur durch mehr
Aufmerksamkeit und Aufklärung über Hörbehinderung geschehen, aber
auch durch mehr Offenheit und klare Angaben der Betroffenen selbst,
was sie für eine gute Kommunikation brauchen. An beiden Seiten
mangelt es leider noch zu oft.
Die Offenheit, die ich heute
besitze, ist das Ergebnis eines langen Lernprozesses. Dieser ist noch
nicht abgeschlossen und wird wahrscheinlich nie enden.
Ist der Seufzer "Nun habe ich es zum x-ten Mal wiederholt und er/sie hat es immer noch nicht verstanden" nicht ebenso wichtig wie der Seufzer "Nach meiner x-ten Bitte, dies nicht zu tun, reden sie noch immer ständig durcheinander und ich verstehe keiner"?
Wäre
es nicht wesentlich besser, wenn wir lernen würden, uns gegenseitig
besser zu verstehen, wenn wir uns eine Brücke bauen würden?
Genau
das ist der Zweck der Weiterbildungsangebote bei Arbeit und
Kommunikation .
Gut hörende Teilnehmer erfahren, wie schwierig es ist, zu verstehen, wenn sie weniger hören, Teilnehmer mit einer Hörbehinderung erfahren, wie sie selbst mit mehr Offenheit, mehr Klarheit über ihre eigenen Bedürfnisse die sie auch deutlich äussern, indem sie öfter auf Dolmetscher oder Hilfsmittel am Arbeitsplatz zurückgreifen, die Kommunikation verbessern können.
