Behinderten Session 2026

Behinderten Session 2026

Bild aus dem Bundeshaus im Parlamentssaal, Behinderten Session 2023. Bildquelle: Persönliches Archiv
Bild aus dem Bundeshaus im Parlamentssaal, Behinderten Session 2023. Bildquelle: Persönliches Archiv

Am 21. Oktober 2026 findet auf Einladung von Nationalratspräsident Pierre-André Page die zweite Behindertensession im Bundeshaus statt. Die zweite Ausgabe knüpft an die erfolgreiche Premiere von 2023 an und verfolgt weiterhin dieselben Ziele: Inklusion stärken und politische Mitsprache von Menschen mit Behinderungen nachhaltig verankern.

Pro Infirmis organisiert die Behindertensession im Rahmen des Projekts Forum22: einem Netzwerk, das politisch engagierte Menschen mit Behinderungen in der ganzen Schweiz zusammenbringt und unterstützt. Wie 2023 werden 44 Sitze im Nationalratssaal bei der Wahl vergeben. Dies entspricht 22 Prozent der Parlamentssitze und damit dem Anteil von Menschen mit Behinderungen in der Schweizer Bevölkerung.


Warum ich als Parlamentarierin kandidiere

In 2023 war ich als Gast an der ersten Behinderten Session. 
Für die zweite Behinderten Session in diesem Jahr gehe ich einen Schritt weiter und kandidiere als Parlamentarierin.

Warum jetzt?

  • In den letzten drei Jahren bin ich persönlich gewachsen und habe das Vertrauen gewonnen, mich dieser neuen Erfahrung zu stellen.
  • In meiner Arbeit habe ich mich ebenfalls weiterentwickelt und bin noch viel mehr von der Wichtigkeit und Dringlichkeit der Inklusion überzeugt, weil Inklusion in der Schweiz zwar in Worten, aber in der Praxis noch viel zu wenig umgesetzt wird.
  • Menschen mit Hörbehinderung – in der Schweiz etwa 1,3 Millionen Menschen, Tendenz steigend – sind viel zu wenig politisch vertreten und brauchen eine hörbare Stimme in der Politik und in der Gesellschaft.

Das Problem:

Eine Hörbehinderung ist eine unsichtbare Behinderung, und Menschen mit Hörbehinderung sind dadurch oft ebenfalls unsichtbar.
Ein grosser Teil der Menschen hat eine hörbehinderte Kolleg*in, Bekannte*r, Freund*in oder Verwandten, manchmal ohne es zu wissen oder es sich überhaupt bewusst zu sein. Denn:

  • Eine Hörbehinderung wird oft verschwiegen oder heruntergespielt, weil man Angst hat, den Job nicht zu bekommen, die Arbeit zu verlieren oder vom Umfeld ausgeschlossen zu werden, weil der Umgang mit der Hörbehinderung zu schwierig sei.
  • Menschen mit Hörbehinderung fühlen sich regelmässig in Gesprächen oder am Arbeitsplatz ausgeschlossen, weil sie zu wenig verstehen, um mitreden zu können. 
    Daraus folgt oft, dass sie immer stiller werden, sich eher zurückziehen und sie nicht gehört werden.
  • Das Bild, das viele Menschen ohne Hörbehinderung von Menschen mit Hörbehinderung haben, stimmt nicht immer mit der Realität überein.
    Eine Hörbehinderung kann jeden Menschen in jedem Alter treffen und bedeutet auf keinen Fall, dass eine Person mit Hörbehinderung nichts mehr kann oder dumm ist, nur weil sie etwas länger braucht, um ihre Gesprächspartner zu verstehen. 
    Im Gegenteil: Wir können mit unserer Hörbehinderung sehr viel, sind immer besser ausgebildet, und ich persönlich singe mit meiner Hörbehinderung sogar im Frauenchor.

Mein Standpunkt:

Menschen mit Hörbehinderung sollen sich nicht anpassen müssen – sondern Systeme müssen so angepasst werden, dass Menschen mit Hörbehinderung selbstverständlich daran teilhaben können.

Menschen mit Hörbehinderung brauchen öffentliche Vorbilder, damit sie sich trauen, über ihre Hörbehinderung und ihre Bedürfnisse zu sprechen – damit sie sichtbar und gehört werden.

Als Person, die Schwierigkeiten hat zu verstehen, erlebe ich täglich, wo Kommunikation nicht funktioniert – im Job, im Alltag und in der Gesellschaft. Genau deshalb setze ich mich für Lösungen ein, die echte Verständigung ermöglichen.

Konkrete Lösungen sind:

  • Bessere Zugänglichkeit in öffentlichen Gebäuden mit zum Beispiel Standard funktionierende Ringleitung als technisches Hilfsmittel für Menschen mit Hörbehinderung;
  • Mehr Offenheit und ehrlicher Austausch über das Thema Hörbehinderung in unserer Gesellschaft, in Werbung und Medien, damit Hörbehinderung sichtbarer wird;
  • Menschen mit Hörbehinderungen und deren Organisationen stärker in die Politik einbeziehen, damit Hörbehinderung auch in der Politik sichtbarer wird und mehr Rollenvorbilder entstehen.

Meine Forderungen:

  • Mehr finanzielle Unterstützung für Dolmetschung, Untertitel und technische Hilfsmittel wie bezahlbare Hörgeräte;
  • Schulungen für Arbeitgeber, Behörden, Schulen und Erwachsenenunterricht zum Thema (Hör-)Behinderung; diese Schulungen sollten standardisiert werden und nicht mehr von Freiwilligkeit abhängig sein.


Warum man mich als Parlamentarierin wählen sollte

Als ehemalige Arbeitsvermittlerin und Jobcoach für Menschen mit Hörbehinderung habe ich viele Jahre Menschen begleitet, die vor ähnlichen beruflichen Herausforderungen standen wie ich die selbst mal hatte: 
Erwähne ich meine Hörbehinderung in meinem Motivationsschreiben, in meinem Bewerbungsgespräch, und wenn ja, wie gehe ich das an?

Als langjährige Moderatorin von Sensibilisierungsworkshops zum Thema Hörbehinderung bei Procap Schweiz zeige ich Teilnehmenden, die helfen wollen – aber nicht wissen, wie – wie sie Menschen mit Hörbehinderung ohne Berührungsängste unterstützen können.

Ich baue Brücken zwischen Menschen mit und ohne Hörbehinderung, nehme Unsicherheiten und entwickle Lösungen, die im beruflichen und privaten Alltag wirklich funktionieren.

Ein Beispiel:
Durch meine Offenheit über meine Hörbehinderung habe ich einerseits die Möglichkeit, anderen zu erklären, was für mich wichtig ist, um sie besser verstehen zu können, zum Beispiel, dass sie nicht zu schnell und deutlich reden.
Andererseits biete ich anderen Menschen damit die Gelegenheit, Fragen zu stellen und bewusster mit dem Thema Hörbehinderung umzugehen.

Für mich ist klar: Ohne Verständnis gibt es keine echte Gleichstellung.

Deshalb setze ich mich für mehr Offenheit, bessere finanzielle Unterstützung und mehr Bewusstsein ein – damit Menschen mit und ohne Hörbehinderung selbstverständlich zusammenarbeiten können.

Darum meine Kernbotschaft:

  • Ohne Verständnis gibt es keine Gleichstellung.
  • Nicht Menschen mit Hörbehinderung sollen sich anpassen – unsere Systeme müssen es.
  • Barrierefreie Kommunikation ist Voraussetzung für echte Teilhabe.

Für meine Kandidatur brauche ich eure Unterstützung!
Ich habe keine politische Partei oder grosse Organisation im Rücken – deshalb zählt jede Stimme umso mehr.

Ich setze mich jeden Tag dafür ein, dass Menschen mit und ohne Hörbehinderung gleichberechtigt zusammenarbeiten und sich sicher verständigen können. Aber ich kann das nicht alleine schaffen – dafür brauche ich eure Stimmen!

Ob man eine Hörbehinderung oder eine andere Behinderung hat:
Ohne Verständigung keine Gleichstellung. So einfach ist das.

Ich trete an, um genau das zu ändern.
Für eine Schweiz, die niemanden ausschliesst.

Die Stimmabgabe ist geschlossen und jetzt gilt es abwarten bis Ende Mai, bis die 44 Kandidat*innen bekannt gegeben werden.

Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich für alle Stimmen bedanken!

Bild aus dem Bundeshaus im Parlamentssaal mit Renée Iseli im Vordergrund
Bild aus dem Bundeshaus im Parlamentssaal mit Renée Iseli im Vordergrund