Blickkontakt

21.05.2026

Warum fühlt sich die eine Person sich in einem Gespräch total unwohl bei direktem und etwas längerem Blickkontakt und begegnet eine andere Person dem ganz locker? Mit Blickkontakt fordern wir die unmittelbare Aufmerksamkeit unseres Gesprächspartners oder unserer Gesprächspartnerin.

Blickkontakt bedeutet, dass wir verletzlich sind, denn wir sind in dem Moment, in dem wir Blickkontakt haben, sichtbar. Und sichtbar sein, ist nicht für alle Menschen angenehm. Kommt noch dazu, dass die Augen, oft auch "der Spiegel der Seele" genannt, meist mehr sagen als gewollt oder erwünscht.

Wenn mir mein Gesprächspartner/meine Gesprächspartnerin unsympathisch ist oder mir auf die Nerven geht und ich mir das, aus Höflichkeit oder aus einem anderen Grund, nicht anmerken lassen möchte, dann werde ich schon schnell meinen Blick abwenden. Andererseits, wenn mir mein Gesprächspartner/meine Gesprächspartnerin sympathisch ist, und ich ihm/ihr gerne zuhöre, dann werde ich fast automatisch längeren Blickkontakt haben.

Nun gibt es auch Personen, die aus weiteren Gründen Blickkontakt eher vermeiden. So sind zum Beispiel Personen mit Autismus dafür bekannt, nicht gerne Blickkontakt zu haben, obwohl es auch hier Ausnahmen gibt.

Kommt zum Blickkontakt manchmal noch eine körperliche Nähe dazu, das (weit) nach vorne Beugen, um besser zu verstehen oder ablesen zu können, dann ist das für viele sehr unangenehm und sie treten buchstäblich und mental einen Schritt zurück.

In der Kommunikation ist für Menschen mit Hörbehinderung jedoch Blickkontakt essentiell. Dafür gibt es mehrere Gründe. Erstens: Wenn jemand mit mir Blickkontakt sucht oder hat, weiss ich, dass diese Person mir etwas sagen oder andeuten will. Zweitens: nur durch Blickkontakt beim Sprechen, kann ich das Mundbild und die Mimik meines Gesprächspartners, meiner Gesprächspartnerin, ablesen. Und das Ablesen brauche ich unbedingt, um besser zu verstehen. Drittens: Blickkontakt ist nicht nur höflich, sondern bietet auch Raum für einen persönlicheren Kontakt.

Wenn zum Beispiel ein Arzt mit seinem Bildschirm redet, statt mit dem Patienten, dann könnte der Patient das als Desinteresse deuten, was natürlich nicht der Fall sein muss, sondern auch bedeuten könnte, dass der Arzt sich in Patientengesprächen unwohl fühlt, oder nicht besonders in Kommunikation geübt ist, was man weniger bei Hausärzten, aber öfters bei Spezialisten beobachten kann.

Wenn jemand mir etwas sagt, ohne Blickkontakt zu haben, merke ich vielleicht nicht einmal, dass diese Person mit mir redet. Bis ich das bemerke, habe ich schon die Hälfte des Gesagten verpasst. Daher ist es wichtig, falls Sie mit einer Person mit Hörbehinderung kommunizieren, dass Sie darauf achten, zuerst die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, dann Blickkontakt herzustellen und zu behalten. Um auf sich aufmerksam zu machen, können Sie ganz einfach die Person von vorne winken, mit einem Fuss auf den Boden zu stampfen (die Vibration erzeugt auch oft die Aufmerksamkeit), oder in einem Raum das Licht kurz ein- und ausschalten. Fangen Sie erst mit dem Reden an, wenn Sie die Aufmerksamkeit der Person erhalten haben.

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